Interview | Sensations-Silber für Nick Thumm
Nick Thumm, sind Sie am Morgen nach dem Gewinn von EM-Silber schon aus dem Traum aufgewacht, ist die Sensation schon Realität?
Nick Thumm: Ich bin noch etwas schlaftrunken, hab nur drei Stunden geschlafen. Und tatsächlich denke ich, das wird heute im Lauf des Tages passieren.
Wenn Ihnen vor der EM jemand gesagt hätte, Sie würden Vize-Europameister, was hätten Sie dem erzählt?
Ich hatte im Vorfeld tatsächlich gemerkt, dass so etwas möglich ist, weil die Vorleistungen der Konkurrenz nicht so überragend waren. Auch die Steigerung meiner Bestleistung um fast zwei Meter auf 83,76 Meter war denkbar.
Nach einer Verletzung zu Saisonbeginn ist es eine Medaille mit langem Anlauf geworden…
Ich habe mir nach meiner Schulterverletzung zu Saisonbeginn lange Zeit genommen, um fit zu werden. Birmingham hatte tatsächlich lange „gewackelt“ und ist erst in der Vorwoche sicher geworden.
Sie haben als „Nobody“ Titelverteidiger Julian Weber mächtig unter Druck gesetzt. Hat das Ihr Selbstbewusstsein gestärkt?
Tatsächlich ist mein Selbstbewusstsein während des Wettkampfs gewachsen, bin aber sehr entspannt geblieben.
Mit Julian Weber und Olympiasieger Thomas Röhler (LC Jena) standen Sie mit zwei großen deutschen Athleten im Wettkampf. Hatten Sie Respekt?
Mit Thomas Röhler war ich im Zimmer untergebracht. Der hat mich in dieser Zeit an die Hand genommen und war sehr zufrieden mit mir. Julian kam zu mir, als ich mit Wadenkrämpfen am Boden lag und sagte: „Jetzt musst du zum Publikum gehen und dich zeigen.“ Er war auch mit sich und auch seinem 90er-Wurf völlig zufrieden.
Sind die Beiden Ihre Vorbilder?
Mein großes Vorbild bleibt Jan Železný aus Tschechien, der mit 98,48 Meter den Weltrekord hält.
Sie haben zuletzt dreimal Silber gewonnen – bei der Universiade, der U23-EM und der Deutschen Meisterschaft in Bochum-Wattenscheid. Sind Sie ein Mann für Silber?
Ja, anscheinend kann der Thumm Silber. Aber irgendwann soll es dann auch mal Gold werden, sonst ist es ja eintönig.
Was sind Ihre nächsten großen Ziele?
Der Start zum Saisonabschluss beim ISTAF Berlin vor Heimpublikum im Berliner Olympiastadion. Die WM in Peking 2027 oder die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Und irgendwann mal Richtung 90 Meter werfen.