EM Tag 4: Gold für Neugebauer dank Kampfgeist und Nervenstärke

  13.08.2026    WLV Top-News WLV Wettkampf BLV BW-Leichtathletik Top-News BW-Leichtathletik Wettkampfsport Leistungssport
​​​​​​​Am vierten Tag der EM in Birmingham durfte ein Athlet aus Baden-Württemberg erstmals über Gold jubeln. Leo Neugebauer krönte einen spannenden Zehnkampf in einem Herzschlagfinale mit dem Europameistertitel und siegte vor Teamkollege Niklas Kaul. In den Qualifikationsrunden machten Frederik Ruppert und Nick Thumm Hoffnung auf weitere Medaillen.

110 Meter Hürden: Solide Vorstellung trotz Gegenwind

Nachdem ihm am Vorabend über die 400 Meter etwas die Kräfte ausgegangen waren, zeigte Leo Neugebauer (VfB Stuttgart) am Morgen in Birmingham über die 110 Meter Hürden eine kontrollierte Leistung. Bei starkem Gegenwind stand im zweiten Lauf eine Zeit von 14,94 Sekunden. Wie viele andere Läufer kam er damit nicht an seine Saisonbestleistung heran, verteidigte aber vor dem folgenden Diskuswurf seine Führung im Gesamtklassement.

Diskuswurf: Machtdemonstration von Neugebauer

Der Diskuswurf ist sein Hoheitsgebiet. Das bewies Leo Neugebauer in Gruppe B erneut und beförderte den Diskus direkt im ersten Versuch auf 54,31 Meter. Damit übertraf er nicht nur seine Saisonbestleistung, sondern verbuchte – wie bereits gestern im Kugelstoßen – einen Meisterschaftsrekord. Auch die folgenden Versuche flogen weit über die 50 Meter. 54,16 im zweiten und 52,15 im dritten Versuch hätten ebenfalls zum Disziplinsieg gereicht. Seinen Vorsprung konnte Leo Neugebauer damit wieder deutlich ausbauen.

Stabhochsprung: Kampfrichter-Drama sorgt für Ärger

Ein Novum ereignete sich in der Mittagssonne von Birmingham. Der Stabhochsprung begann für Leo Neugebauer denkbar schlecht. Für seine Einstiegshöhe brauchte er zwei Versuche und wirkte alles andere als sicher. Dann folgten aber zwei deutlich verbesserte gültige Versuche über 4,70 Meter und 4,80 Meter – Neugebauer schien im Wettkampf angekommen. Kurze Zeit später dann aber Ernüchterung: Die Kampfrichter hatten die Latte nicht auf 4,80 Meter, sondern noch einmal auf 4,70 Meter gelegt. Der Zehnkampf-Weltmeister von 2025 musste also erneut springen.

Nach zwei ungültigen Versuchen ging das Drama weiter. Die Kampfrichter hatten den Abstand zwischen Ständer und Latte bei Neugebauers zweitem Versuch nicht richtig eingestellt. Ein Protest wurde zunächst abgewiesen und Neugebauer schien nach dem dritten ungültigen Versuch über 4,80 Meter ausgeschieden. Unter Protest durfte er dann aber doch nochmal ran – und sprang nervenstark drüber. Er blieb damit im Wettbewerb und meisterte die 4,90 Meter sogar im ersten Versuch. Dabei sollte es dann bleiben – die 5 Meter waren zu hoch. Für Neugebauer aufgrund der Umstände aber trotzdem ein Erfolg.

Speerwurf: Saisonbestleistung bringt gute Ausgangslage

Nach den wenig optimalen Windbedingungen am Mittag beim Stabhochsprung hatten die Zehnkämpfer am Abend auch beim Speerwurf zu kämpfen. Davon ließ sich Leo Neugebauer aber nicht beirren. Direkt im ersten Versuch gelang ihm mit 60,10 Metern eine Saisonbestleistung. In den weiteren Versuchen kam er an diese Weite nicht mehr heran. Dennoch verschaffte er sich damit eine optimale Ausgangslage für den abschließenden 1500-Meter-Lauf.

1500 Meter: Kampfgeist führt zu Gold

Im abschließenden 1500-Meter-Lauf spitzte sich alles auf eine Sekunden-Entscheidung zu. Während der laufstärkere Niklas Kaul weiter vorne Tempo machte, ordnete sich Leo Neugebauer hinten im Feld ein. Die Strapazen waren beiden Zehnkämpfern deutlich anzumerken. Lange sah es so aus, als könnte Neugebauer seinen Vorsprung souverän verteidigen. Auf der Zielgeraden gingen dem Weltmeister von 2025 aber zunehmend die Kräfte aus. Neugebauer wurde immer langsamer, strauchelte und stolperte dann mit einem Sturz über die Ziellinie. Nach einigen Sekunden des Wartens stand aber fest: Die Saisonbestleistung von 4:38,36 Minuten reichte, um 38 Punkte Vorsprung ins Ziel zu retten. Damit krönte sich Leo Neugebauer mit 8611 Punkten zum Europameister und König der Athleten.

3000 Meter Hindernis Vorläufe: Ruppert ohne Probleme ins Finale

Dass er im Finale zu den großen Favoriten zählt, stellte Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) im ersten von zwei Vorläufen eindrucksvoll unter Beweis. Der Europarekordhalter ordnete sich zunächst hinten im Feld ein und hielt sich aus dem Getümmel raus. Durch das extrem langsame Tempo wurde Ruppert allerdings vor den Hindernissen immer wieder ausgebremst und änderte seine Herangehensweise kurzfristig. Mit einem kurzen Zwischensprint platzierte er sich in der Spitzengruppe und kontrollierte das Rennen von vorne. Auch die leichte Tempoverschärfung am Ende des Rennens bereitete ihm trotz warmer Temperaturen wenig Probleme. Auf der Zielgeraden blickte sich Frederik Ruppert mehrfach um und zog als Dritter seines Laufs in 8:35,46 Minuten souverän ins Finale ein.

Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen):
„Grundsätzlich war das Rennen noch sehr entspannt, allerdings war es sehr warm. So konnte ich ein paar Kräfte sparen. Ich habe immer wieder auf die Videowände im Stadion geschaut. Leider lief da manchmal auch Hochsprung, doch zur Orientierung war es gut, wenn unser Rennen gezeigt wurde. Die letzten Programme liefen sehr gut, darum gehe ich zuversichtlich ins Finale. Dort möchte ich gern eine Medaille gewinnen. Die Bedingungen im Finale werden ganz anders sein als heute, da es sehr langsam war. Ich denke, dass ich im Finale auf alles eine Antwort habe.“

Speerwurf Qualifikation: Persönliche Bestleistung für Nick Thumm

Bei seiner ersten Europameisterschaft zeigte Nick Thumm (VfB Stuttgart) in der Speerwurf-Qualifikation keinerlei Nerven. Schon seine ersten beiden Versuche gingen mit 81,84 Meter und 81,52 Meter nahe an die geforderten 82,00 Meter heran. Auch diese Versuche hätten bereits für die Finalqualifikation gereicht. Ganz zufrieden wirkte der Stuttgarter damit aber nicht. Doch im dritten und letzten Versuch passte dann alles zusammen: Der Speer flog auf 83,49 Meter. Damit übertraf er nicht nur die geforderte Qualifikationsweite deutlich, sondern verbesserte seine persönliche Bestleistung um über einen Meter. Mit der insgesamt zweitbesten Weite aller Werfer in der Qualifikation darf sich Nick Thumm sogar Hoffnungen auf eine Medaille machen.

Nick Thumm (VfB Stuttgart):
 „Eine EM bei den Erwachsenen ist schon was Neues und noch mal eine Nummer größer. Es ist zwar nicht ganz so voll, wie ich gedacht hatte, aber zum Finale kommt hoffentlich noch mehr Publikum. Der erste Wurf war wichtig, damit habe ich schon mal gezeigt, was ich kann. Ich bin super happy, dass dann sogar eine PB dabei rausgekommen ist. Das ist nicht geplant gewesen. Ich war am Anfang der Saison noch verletzt. Ich bin sehr dankbar an mein Team, das mich da tatkräftig unterstützt hat. Da steckt viel Arbeit dahinter, Physio, Reha, aber es hat sich gelohnt. Das Finale ist für mich Zugabe, das will ich genießen.“

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